Wohngebäudeversicherung steuerlich absetzbar: Wer darf es?

Veröffentlicht am 30.09.2026 · Lesezeit 4 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 6 Minuten

Die Wohngebäudeversicherung ist steuerlich absetzbar, wenn das Gebäude vermietet oder verpachtet wird. Der Beitrag zählt dann zu den Werbungskosten in der Anlage V. Eigentümer, die im eigenen Haus wohnen, können ihn nicht absetzen.

Kurzantwort: Vermieter setzen die Wohngebäudeversicherung als Werbungskosten ab. Selbstnutzer haben keinen Steuervorteil, weil der Beitrag zu den privaten Lebenshaltungskosten zählt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vermietete Gebäude: Beitrag ist Werbungskosten
  • Selbst genutzte Häuser: kein Abzug
  • Gemischte Nutzung: Aufteilung nach Wohnfläche
  • Schadensreparaturen: Handwerkerbonus nur für nicht erstattete Kosten

Wohngebäudeversicherung absetzen: Wer profitiert?

Die Steuerfrage hängt an der Nutzung des Hauses. Das Einkommensteuergesetz erlaubt in Paragraf 9 den Abzug von Aufwendungen, die der Erwerbung, Sicherung und Erhaltung von Einnahmen dienen. Wer eine Immobilie vermietet, erzielt Einnahmen. Der Gebäudeschutz sichert genau diese Einnahmequelle ab.

Wer selbst im Haus wohnt, erzielt keine Einnahmen aus dem Gebäude. Die Versicherung schützt dann das eigene Vermögen. Das Steuerrecht rechnet das zur privaten Lebensführung.

Vermietete Immobilie: Die Versicherung als Werbungskosten

Vermieter tragen die Beiträge in der Anlage V ein. Sie mindern die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung und damit die Einkommensteuer. Zu den absetzbaren Beiträgen gehören:

  • Feuer-, Sturm-, Hagel- und Leitungswasserschutz
  • Zusatzbausteine wie die Elementarschadenversicherung
  • Glasbruch- und Gebäudehaftpflichtbeiträge für das vermietete Objekt

Grundlage ist das Zuflussprinzip. Der Beitrag zählt in dem Jahr, in dem er bezahlt wurde. Zahlt ein Vermieter im Dezember schon für das Folgejahr, wirkt sich das noch im laufenden Jahr aus. Gleichzeitig laufen oft weitere Posten mit, etwa die Grundsteuer oder Zinsen für den Kredit.

Selbst genutztes Eigenheim: Warum es keinen Abzug gibt

Für Selbstnutzer bleibt der Beitrag ohne steuerliche Wirkung. Auch Paragraf 10 EStG hilft nicht weiter. Die Sonderausgaben für Vorsorge nennen unter anderem Haftpflichtversicherungen und Risikoversicherungen für den Todesfall. Eine Sachversicherung für das eigene Haus steht dort nicht.

Ein Ausweg besteht nicht. Wer den Beitrag trotzdem einträgt, muss mit Rückfragen des Finanzamts rechnen. Sinnvoller ist es, andere Posten zu prüfen, etwa Steuerberatungskosten oder Fahrtkosten.

Gemischte Nutzung: Aufteilung nach Wohnfläche

Viele Eigentümer bewohnen eine Wohnung selbst und vermieten die andere. Dann teilt sich der Beitrag auf. Üblich ist der Schlüssel nach Quadratmetern. Ein Beispiel zeigt die Rechnung:

Posten Wert
Jahresbeitrag Wohngebäudeversicherung 900 Euro
Gesamtwohnfläche 200 m²
Vermietete Fläche 80 m² (40 Prozent)
Absetzbar als Werbungskosten 360 Euro

Die restlichen 540 Euro bleiben ohne Steuerwirkung. Bei Leerstand zwischen zwei Mietern bleibt der Abzug in der Regel erhalten, wenn der Vermieter ernsthaft nach neuen Mietern sucht.

Kurzantwort: Bei Teilvermietung zählt nur der Anteil der vermieteten Fläche. Bei 40 Prozent Vermietungsanteil sind 40 Prozent des Beitrags absetzbar.

Ferienwohnung und Gewerbeflächen

Bei einer Ferienwohnung kommt es auf die Vermietungsabsicht an. Wird sie dauerhaft angeboten und nur kurz selbst genutzt, bleibt der Abzug für den vermieteten Anteil möglich. Die Tage der Eigennutzung werden anteilig herausgerechnet.

Vermieten Eigentümer Gewerbeflächen, gilt dasselbe Prinzip. Die Beiträge gehören zu den Werbungskosten der Einkünfte aus Vermietung. Betreiben sie im Haus selbst ein Geschäft, zählt der Anteil zu den Betriebsausgaben.

Schaden am Haus: Versicherung, Handwerkerbonus und Eigenanteil

Nach einem Sturm- oder Wasserschaden zahlt die Versicherung die Reparatur. Die Kosten lassen sich nur absetzen, soweit der Eigentümer sie selbst trägt. Ein Selbstbehalt kann dann eine Rolle spielen.

Für Selbstnutzer greift Paragraf 35a EStG. Handwerkerleistungen für Renovierung, Erhaltung und Modernisierung mindern die Steuer um 20 Prozent der Arbeitskosten, höchstens um 1.200 Euro im Jahr. Materialkosten zählen nicht mit. Was die Versicherung erstattet, bleibt außen vor.

Vermieter setzen Reparaturen dagegen als Erhaltungsaufwand bei den Werbungskosten an. Größere Arbeiten können sich auf mehrere Jahre verteilen. Zahlungen sollten immer per Überweisung erfolgen, denn Barzahlungen erkennt das Finanzamt beim Handwerkerbonus nicht an.

Andere Versicherungen im Vergleich

Nicht jede Police wirkt gleich. Die Übersicht zeigt, wo ein Steuervorteil möglich ist.

Versicherung Vermieter Selbstnutzer
Wohngebäudeversicherung Werbungskosten kein Abzug
Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht Werbungskosten kein Abzug
Private Haftpflicht Sonderausgabe (Vorsorge) Sonderausgabe (Vorsorge)
Hausratversicherung kein Abzug kein Abzug

Wie sich andere Vorsorgebeiträge auswirken, zeigt zum Beispiel der Beitrag zur Steuer bei privaten Rentenversicherungen.

Fazit

Die Wohngebäudeversicherung senkt die Steuer nur bei Vermietung. Wer sein Haus selbst bewohnt, kann den Beitrag nicht ansetzen. Bei gemischter Nutzung lohnt sich eine saubere Aufteilung nach Wohnfläche, dazu gehören Beitragsrechnung und Versicherungsschein in den Unterlagen. Reparaturen nach Schäden sind nur für den Eigenanteil relevant.

FAQ – Häufige Fragen

Ist die Wohngebäudeversicherung steuerlich absetzbar?

Bei vermieteten Immobilien ja, als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung. Bei selbst genutzten Häusern gibt es keinen Abzug.

Kann ich die Wohngebäudeversicherung für mein Eigenheim absetzen?

Nein. Der Beitrag gehört zu den privaten Lebenshaltungskosten. Er zählt weder zu den Sonderausgaben noch zu den Werbungskosten.

In welche Anlage der Steuererklärung gehören die Beiträge?

Vermieter tragen sie in die Anlage V ein. Dort stehen die Werbungskosten der Vermietung, meist unter den übrigen Werbungskosten oder den Versicherungen.

Wie wird bei einem teilweise vermieteten Haus gerechnet?

Der Beitrag wird nach Wohnfläche aufgeteilt. Nur der Anteil der vermieteten Fläche zählt als Werbungskosten. Ein Aufteilungsschlüssel nach Quadratmetern hat sich bewährt.

Zählt die Elementarschadenversicherung auch dazu?

Ja, sofern das Gebäude vermietet ist. Der Zusatzbaustein gehört zum Gebäudeschutz und fällt in denselben Abzug wie der Grundbeitrag.

Was gilt bei einer Ferienwohnung?

Bei dauerhafter Vermietungsabsicht sind die Beiträge Werbungskosten. Bei eigener Nutzung wird der Anteil der Selbstnutzung herausgerechnet.

Kann ich Handwerkerkosten nach einem Versicherungsschaden absetzen?

Nur den Teil, den keine Versicherung erstattet. Nach Paragraf 35a sind 20 Prozent der Arbeitskosten möglich, höchstens 1.200 Euro im Jahr.

Wann wird die Beitragszahlung steuerlich berücksichtigt?

Es gilt das Zuflussprinzip. Der Beitrag zählt in dem Jahr, in dem er gezahlt wurde. Bei Jahresbeiträgen ist das meist das Fälligkeitsjahr.

Müssen Vermieter Nachweise aufbewahren?

Ja. Versicherungsschein und Beitragsrechnung gehören in die Unterlagen. Das Finanzamt kann sie auf Nachfrage anfordern.

Lohnt sich ein Steuerberater bei Vermietung?

Bei mehreren Objekten oder Mischnutzung kann sich das lohnen. Die Beratungskosten sind selbst wieder absetzbar.

Mehr zum Thema

Dieser Text ersetzt keine steuerliche Beratung. Im Einzelfall helfen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein.

Quellen

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