Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten
Für ein Grundstück mit 1.000 qm liegt die Grundsteuer meist zwischen rund 80 und über 1.500 Euro im Jahr. Die Spanne ist so groß, weil jedes Bundesland ein eigenes Modell nutzen darf und jede Gemeinde ihren Hebesatz selbst festlegt. Entscheidend sind außerdem der Bodenrichtwert und die Frage, ob ein Haus auf dem Grundstück steht.
Das Wichtigste in Kürze
- Grundformel: Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz.
- Bundesmodell: 0,34 Promille für unbebaute, 0,31 Promille für Wohngrundstücke.
- Bayern rechnet nur mit Flächen: 0,04 Euro je qm Grund.
- Baden-Württemberg besteuert allein den Bodenwert.
So wird die Grundsteuer seit 2025 berechnet
Seit dem 1. Januar 2025 gilt die neue Grundsteuer. Die Berechnung folgt drei Schritten:
- Das Finanzamt ermittelt einen Grundsteuerwert oder in Flächenmodellen einen Äquivalenzbetrag.
- Dieser Wert wird mit der Steuermesszahl multipliziert. Das Ergebnis ist der Grundsteuermessbetrag.
- Die Gemeinde multipliziert den Messbetrag mit ihrem Hebesatz.
Ein Hebesatz von 450 Prozent bedeutet also: Messbetrag mal 4,5. Alle Beispiele unten nutzen diesen Wert. So bleiben sie vergleichbar. Der tatsächliche Hebesatz steht im Grundsteuerbescheid der Gemeinde oder auf deren Internetseite.
Kurzantwort: Eine feste Summe für 1.000 qm gibt es nicht. Die Grundsteuer ergibt sich aus Grundsteuerwert, Steuermesszahl und dem Hebesatz der Gemeinde.
Grundsteuer für 1.000 qm im Bundesmodell
Elf Länder nutzen das Bundesmodell oder eine leicht abgewandelte Form. Bei einem unbebauten Grundstück ist der Grundsteuerwert im Kern Fläche mal Bodenrichtwert. Nach § 15 Grundsteuergesetz gilt dafür eine Steuermesszahl von 0,34 Promille.
| Bodenrichtwert | Grundsteuerwert | Messbetrag (0,34 ‰) | Grundsteuer bei 450 % |
|---|---|---|---|
| 50 €/qm | 50.000 € | 17,00 € | 76,50 € |
| 150 €/qm | 150.000 € | 51,00 € | 229,50 € |
| 300 €/qm | 300.000 € | 102,00 € | 459,00 € |
| 600 €/qm | 600.000 € | 204,00 € | 918,00 € |
Steht ein Wohnhaus auf dem Grundstück, wird es komplizierter. Das Finanzamt nutzt dann das Ertragswertverfahren. Es berücksichtigt pauschale Mieten, Baujahr, Wohnfläche und den Bodenwert. Die Messzahl sinkt dafür auf 0,31 Promille. Beispiel: Ein Einfamilienhaus mit einem Grundsteuerwert von 300.000 Euro ergibt einen Messbetrag von 93 Euro. Bei 450 Prozent Hebesatz sind das 418,50 Euro im Jahr.
Grundsteuer für 1.000 qm in Bayern
Bayern nutzt ein reines Flächenmodell. Lage und Bodenwert spielen keine Rolle. Laut Art. 3 des Bayerischen Grundsteuergesetzes gelten diese Äquivalenzzahlen:
- Grund und Boden: 0,04 Euro je qm
- Gebäudefläche: 0,50 Euro je qm
- Grundsteuermesszahl: 100 Prozent, für Wohnflächen 70 Prozent
Unbebaut: 1.000 qm × 0,04 Euro = 40 Euro Messbetrag. Bei 450 Prozent Hebesatz sind das 180 Euro im Jahr.
Mit Einfamilienhaus (150 qm Wohnfläche): Der Grund ergibt 40 Euro. Das Haus ergibt 150 × 0,50 Euro × 70 Prozent = 52,50 Euro. Zusammen sind das 92,50 Euro Messbetrag und 416,25 Euro Grundsteuer.
Eine Besonderheit hilft großen Gärten. Bei Wohngrundstücken zählt der Teil der Fläche, der das Zehnfache der Wohnfläche übersteigt, nur zur Hälfte. Bei 150 qm Wohnfläche greift das erst ab 1.500 qm Grund.
Grundsteuer für 1.000 qm in Baden-Württemberg
Baden-Württemberg besteuert nur den Boden. Das Gebäude fließt nicht ein. Der Grundsteuerwert ist Fläche mal Bodenrichtwert. Die Steuermesszahl beträgt laut Finanzverwaltung 1,3 Promille. Bei überwiegender Wohnnutzung sinkt sie um 30 Prozent auf 0,91 Promille.
| Fall (Bodenrichtwert 300 €/qm) | Messbetrag | Grundsteuer bei 450 % |
|---|---|---|
| Unbebaut | 390,00 € | 1.755,00 € |
| Wohngrundstück | 273,00 € | 1.228,50 € |
Diese Werte wirken hoch. Viele Gemeinden in Baden-Württemberg haben ihre Hebesätze mit der Reform aber deutlich gesenkt. Ein realistischer Vergleich gelingt nur mit dem örtlichen Hebesatz.
Kurzantwort: Bei 1.000 qm zahlt man in Bayern unbebaut etwa 180 Euro (bei 450 Prozent Hebesatz). Im Bundesmodell hängt der Betrag vor allem vom Bodenrichtwert ab.
Andere Länder und die Grundsteuer C
Hamburg, Hessen und Niedersachsen rechnen ebenfalls mit Flächen, ergänzen sie aber um einen Lagefaktor. Gute Lagen zahlen dort mehr. Einige Länder mit Bundesmodell haben zudem eigene Messzahlen festgelegt.
Für baureife, aber unbebaute Grundstücke dürfen Gemeinden seit 2025 die Grundsteuer C erheben. Sie hat einen eigenen, höheren Hebesatz. Ein Bauplatz mit 1.000 qm kann dadurch deutlich teurer werden als ein Gartengrundstück gleicher Größe.
Grundsteuer für 1.000 qm selbst ausrechnen
Mit vier Angaben lässt sich die Summe gut schätzen:
- Bundesland feststellen und das passende Modell wählen.
- Bodenrichtwert nachsehen. Er steht im Portal BORIS des jeweiligen Landes.
- Steuermesszahl anwenden: 0,34 oder 0,31 Promille im Bundesmodell.
- Hebesatz der Gemeinde einsetzen.
Die Grundsteuer ist bei selbst genutztem Wohneigentum nicht absetzbar. Vermieter dürfen sie als Werbungskosten ansetzen oder auf die Mieter umlegen. Wer ein Grundstück verschenken oder vererben möchte, sollte zusätzlich die Freibeträge kennen. Mehr dazu steht in den Beiträgen zum steuerfreien Schenken und zur Erbschaftsteuer unter Ehepartnern.
Fazit
Für 1.000 qm gibt es keinen Einheitspreis. In Bayern bleibt die Grundsteuer dank Flächenmodell niedrig und gut planbar. Im Bundesmodell und in Baden-Württemberg treibt ein hoher Bodenrichtwert den Betrag nach oben. Den Ausschlag gibt am Ende der Hebesatz der Gemeinde. Mit Bodenrichtwert, Messzahl und Hebesatz lässt sich die eigene Grundsteuer in wenigen Minuten schätzen.
FAQ – Häufige Fragen
Wie viel Grundsteuer zahlt man für 1.000 qm unbebautes Land?
Im Bundesmodell bei 150 Euro Bodenrichtwert und 450 Prozent Hebesatz rund 230 Euro. In Bayern etwa 180 Euro.
Wie lautet die Formel für die Grundsteuer?
Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz. In Flächenmodellen tritt ein Äquivalenzbetrag an die Stelle des Grundsteuerwerts.
Welche Steuermesszahl gilt im Bundesmodell?
0,34 Promille für unbebaute Grundstücke und 0,31 Promille für Wohngrundstücke.
Wo steht der Bodenrichtwert?
Im Bodenrichtwert-Portal BORIS des jeweiligen Bundeslandes.
Wo steht der Hebesatz der eigenen Gemeinde?
Im Grundsteuerbescheid und meist auf der Internetseite der Stadt oder Gemeinde.
Warum ist die Grundsteuer in Bayern so niedrig?
Bayern rechnet nur mit Flächen. Hohe Bodenpreise erhöhen die Steuer dort nicht.
Zählt das Haus in Baden-Württemberg mit?
Nein. Baden-Württemberg besteuert allein den Bodenwert.
Was ist die Grundsteuer C?
Eine höhere Grundsteuer für baureife, unbebaute Grundstücke. Gemeinden dürfen sie seit 2025 erheben.
Wann ist die Grundsteuer fällig?
In der Regel vierteljährlich zum 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November.
Kann man die Grundsteuer von der Steuer absetzen?
Nur bei vermieteten oder betrieblich genutzten Grundstücken.
Hinweis: Die Beispielrechnungen sind vereinfacht. Dieser Text ersetzt keine steuerliche Beratung.
Quellen
- Grundsteuergesetz § 15: Steuermesszahlen
- Bayerisches Grundsteuergesetz Art. 3: Äquivalenzzahlen
- Finanzämter Baden-Württemberg: Wie errechnet sich die Grundsteuer?
Von Andre Siebert, Redaktion vermögensatlas.de. Zahlen stammen aus amtlichen Statistiken mit Jahresangabe.
