Tarifvertrag Versicherung: Gehalt, Urlaub und Geltung

Veröffentlicht am 30.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Der Tarifvertrag für die Versicherung besteht aus mehreren Verträgen. Der Arbeitgeberverband AGV verhandelt sie für die private Versicherungswirtschaft mit den Gewerkschaften ver.di und DBV. Der Gehaltstarifvertrag regelt die Bezahlung, der Manteltarifvertrag die allgemeinen Arbeitsbedingungen.

Kurzantwort: Für Angestellte im Innendienst privater Versicherer gelten Gehaltstarifvertrag und Manteltarifvertrag. Ab dem 1. September 2026 steigen die Tarifgehälter laut ver.di um 3,3 Prozent.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verhandelt wird zwischen AGV, ver.di und DBV.
  • Etwa 90 Prozent der Angestellten arbeiten laut AGV in tarifgebundenen Unternehmen.
  • Gehälter stehen im Gehaltstarifvertrag, Urlaub und Arbeitszeit im Manteltarifvertrag.
  • Die aktuellen Texte stehen kostenlos beim AGV zum Download bereit.

Was ein Tarifvertrag in der Versicherungsbranche regelt

Ein Tarifvertrag legt Mindeststandards für Arbeitsverhältnisse fest. In der Versicherungswirtschaft gilt dieses Prinzip für Zehntausende Beschäftigte bei Erst- und Rückversicherern. Der Arbeitgeberverband AGV nennt als Gegenstand der Verhandlungen die branchenweit angewendeten Tarifverträge für die private Versicherungswirtschaft.

Der Vertrag gilt nicht für jede Person in der Branche. Er betrifft vor allem Angestellte im Innendienst. Für den organisierenden Werbeaußendienst gibt es eigene Regeln, etwa ein eigenes Altersteilzeitabkommen. Wer im Vertrieb auf Provision arbeitet, sollte deshalb zuerst prüfen, welcher Vertrag zur eigenen Tätigkeit passt.

Die wichtigsten Verträge im Überblick

Die Tarifwerke der Branche bestehen aus einem Kern und mehreren Sonderverträgen. Der AGV führt sie auf seiner Seite mit dem jeweiligen Stand auf. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten.

Vertrag Inhalt
Gehaltstarifvertrag (GTV) Höhe der Gehälter, Gehaltsgruppen, Erhöhungen
Manteltarifvertrag (MTV) Arbeitszeit, Pausen, Urlaub, Kündigung, Sonderzahlungen, Zulagen
Altersteilzeitabkommen Übergang in den Ruhestand
Tarifvertrag zur Entgeltumwandlung Betriebliche Altersvorsorge aus dem Bruttogehalt
Tarifvertrag zum mobilen Arbeiten Regeln für Homeoffice und mobile Arbeit
Rationalisierungsschutzabkommen Schutz bei Umstrukturierungen
Tarifvertrag zur Qualifizierung Weiterbildung im Beruf

Wer verhandelt den Tarifvertrag für die Versicherung?

Auf Arbeitgeberseite tritt der AGV auf. Laut Wikipedia gehören ihm nahezu 99 Prozent der in Deutschland ansässigen Versicherungsunternehmen an. Er hat seinen Sitz in München. Auf Arbeitnehmerseite verhandeln ver.di und der DBV.

Die Fachgruppe Versicherungen in ver.di spricht von rund 290.000 Beschäftigten in der Branche. Der Ablauf folgt einem festen Muster. Eine Seite kündigt den Vertrag, die Gewerkschaften nennen ihre Forderungen, danach tauschen beide Seiten Wirtschaftsdaten aus. Am Ende steht ein Kompromiss, der in Tarifkommissionen beider Seiten abgestimmt wird.

Kurzantwort: Tarifparteien sind der Arbeitgeberverband AGV auf der einen Seite und die Gewerkschaften ver.di und DBV auf der anderen. Der Staat greift in die Verhandlungen nicht ein.

Aktuelle Gehaltserhöhung im Versicherungsgewerbe

Nach Angaben von ver.di greift zum 1. September 2026 die zweite Stufe des Tarifabschlusses. Die Tarifgehälter im angestellten Innendienst steigen dann um 3,3 Prozent. Auszubildende erhalten 100 Euro mehr. Die Gewerkschaft nennt zudem bereits die Tarifrunde 2027 als nächstes Thema.

Ein Rechenbeispiel zeigt die Wirkung. Bei einem Tarifgehalt von 3.800 Euro brutto im Monat bedeutet eine Erhöhung um 3,3 Prozent rund 125 Euro mehr. Das neue Gehalt liegt dann bei etwa 3.925 Euro. Das Beispiel dient nur der Rechenlogik und nennt keine Tarifgruppe.

Wie viel netto bleibt, hängt von Steuerklasse und Abgaben ab. Einen Überblick liefert der Beitrag zum Abzug in der Lohnsteuerklasse 5.

Wer profitiert vom Tarifvertrag der Versicherer?

Das Tarifvertragsgesetz regelt die Frage der Geltung. Nach Paragraf 3 sind die Mitglieder der Tarifvertragsparteien tarifgebunden. Das trifft auf Mitglieder von ver.di oder DBV zu, die bei einem AGV-Mitgliedsunternehmen arbeiten. Nach Paragraf 4 gelten die Rechtsnormen dann unmittelbar und zwingend.

In der Praxis wenden viele Arbeitgeber den Vertrag auch auf nicht organisierte Beschäftigte an. Das geschieht meist über eine Klausel im Arbeitsvertrag. Ein Anspruch darauf besteht ohne diese Klausel nicht automatisch. Ein Blick in den Arbeitsvertrag schafft Klarheit. Ähnliche Fragen stellen sich im öffentlichen Dienst, wie der Beitrag zum Urlaubsanspruch nach TVöD zeigt.

Manteltarifvertrag Versicherung: Urlaub, Arbeitszeit, Sonderzahlungen

Der Manteltarifvertrag enthält die Regeln des Arbeitsalltags. Der AGV nennt als Themen die Dauer und Lage der Arbeitszeit, Pausen, Urlaub, Kündigungsbestimmungen und tarifliche Sonderzahlungen. Dazu kommen Kriterien für die Gruppierung der Tätigkeiten und für Zulagen.

Konkrete Zahlen wie Wochenstunden oder Urlaubstage ändern sich mit jeder Fassung. Der aktuelle Stand des Manteltarifvertrags trägt das Datum 1. Mai 2026. Wer eine Zahl braucht, liest sie am besten im Originaltext nach. Der AGV stellt die Dokumente kostenlos als Download bereit.

Gehaltstarifvertrag: So funktionieren die Gehaltsgruppen

Der Gehaltstarifvertrag ordnet Tätigkeiten Gehaltsgruppen zu. Jede Gruppe hat ein Tarifgehalt, das sich prozentual erhöht, wenn die Tarifparteien sich einigen. Für die Einstufung zählt die ausgeübte Tätigkeit und nicht der Titel auf der Visitenkarte. Eine Vergleichsgrundlage bieten auch andere Branchentarife, etwa der Gehaltstarifvertrag für Zahnmedizinische Fachangestellte.

Die Gruppen unterscheiden sich in Anforderungen und Verantwortung. Wer mehr Aufgaben übernimmt, kann höher eingruppiert werden. Bei Zweifeln hilft der Betriebsrat, sofern es einen gibt. Auch ver.di und DBV beraten ihre Mitglieder dazu.

Was nach Ablauf des Tarifvertrags gilt

Läuft ein Tarifvertrag aus, entsteht keine Lücke. Paragraf 4 Absatz 5 des Tarifvertragsgesetzes bestimmt, dass die Rechtsnormen weitergelten, bis eine andere Abmachung sie ersetzt. Man nennt das Nachwirkung. Ausschlussfristen für tarifliche Rechte kann nur der Tarifvertrag selbst vereinbaren.

Verpasste Fristen können Ansprüche kosten. Wer etwa eine falsche Eingruppierung vermutet, sollte früh handeln und die Fristen im Manteltarifvertrag prüfen.

Fazit

Der Tarifvertrag der Versicherungsbranche setzt für Innendienstangestellte einen klaren Rahmen bei Gehalt, Urlaub und Arbeitszeit. Die aktuelle Erhöhung von 3,3 Prozent zum 1. September 2026 zeigt, wie die Verhandlungen wirken. Wer wissen will, was für ihn gilt, liest Arbeitsvertrag, Gehaltstarifvertrag und Manteltarifvertrag zusammen.

FAQ – Häufige Fragen

Gibt es einen Tarifvertrag für die Versicherungsbranche?

Ja. Der AGV verhandelt mit ver.di und DBV die Tarifverträge für die private Versicherungswirtschaft. Dazu zählen Gehaltstarifvertrag, Manteltarifvertrag und mehrere Sonderverträge.

Wer verhandelt den Tarifvertrag der Versicherer?

Der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland verhandelt für die Unternehmen. Die Arbeitnehmerseite vertreten ver.di und der DBV.

Für wen gilt der Tarifvertrag?

Er gilt vor allem für Angestellte im Innendienst tarifgebundener Versicherer. Für den organisierenden Werbeaußendienst bestehen eigene Regelungen.

Wie viel steigen die Gehälter ab September 2026?

Laut ver.di steigen die Tarifgehälter im angestellten Innendienst ab dem 1. September 2026 um 3,3 Prozent. Auszubildende erhalten 100 Euro mehr.

Wo steht die Höhe der Gehälter?

Sie steht im Gehaltstarifvertrag. Er ordnet Tätigkeiten Gehaltsgruppen zu und nennt die Tarifgehälter.

Wo stehen Urlaub und Arbeitszeit?

Im Manteltarifvertrag. Dort finden sich auch Pausenregeln, Kündigungsbestimmungen und tarifliche Sonderzahlungen.

Wo finde ich die aktuellen Tarifverträge?

Der AGV bietet die Verträge auf seiner Internetseite zum Download an. Der Manteltarifvertrag und der Gehaltstarifvertrag tragen den Stand 1. Mai 2026.

Gilt der Tarifvertrag auch ohne Gewerkschaftsmitgliedschaft?

Zwingend gilt er nur für Tarifgebundene. Viele Arbeitgeber wenden ihn per Klausel im Arbeitsvertrag auch auf andere Beschäftigte an.

Was passiert, wenn ein Tarifvertrag ausläuft?

Die Rechtsnormen gelten nach Paragraf 4 Absatz 5 des Tarifvertragsgesetzes weiter, bis eine andere Abmachung sie ersetzt.

Wann ist die nächste Tarifrunde?

ver.di nennt die Tarifrunde 2027 als nächsten Schritt. Einen genauen Verhandlungstermin nennt die Gewerkschaft nicht.

Mehr zum Thema

Dieser Text ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung. Für den eigenen Fall gilt der Arbeitsvertrag zusammen mit dem aktuellen Tarifvertragstext.

Quellen

Nach oben scrollen