Stand: September 2026 · Lesezeit: 6 Minuten
Ein Wirtschaftsprüfer prüft Jahresabschlüsse und Buchhaltung von Unternehmen auf Richtigkeit und erteilt dazu einen Bestätigungsvermerk. Er kontrolliert, ob Bilanzen den gesetzlichen Vorgaben entsprechen, und berät Mandanten zusätzlich bei steuerlichen und wirtschaftlichen Fragen. Der Beruf gehört zu den anspruchsvollsten kaufmännischen Berufen in Deutschland und verlangt eine der schwersten Prüfungen im gesamten Finanzsektor. Wer die Zulassung schafft, übernimmt eine Vertrauensposition, denn Investoren, Banken und Aufsichtsbehörden verlassen sich auf das testierte Urteil des Prüfers.
Das Wichtigste in Kürze
- Zulassung setzt Studium, mehrjährige Praxis und Staatsexamen voraus
- Kernaufgabe ist die Prüfung von Jahresabschlüssen und Bilanzen
- Die Bestehensquote beim Examen liegt im Schnitt bei nur rund 54 Prozent
- Das Einstiegsgehalt beginnt bei etwa 5.500 Euro brutto im Monat
Die Aufgaben eines Wirtschaftsprüfers im Detail
Im Zentrum der Arbeit steht die gesetzliche Abschlussprüfung. Wirtschaftsprüfer kontrollieren, ob Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Anhang eines Unternehmens korrekt und vollständig sind. Am Ende der Prüfung steht der Bestätigungsvermerk, der Investoren, Banken und Behörden Sicherheit über die Zahlen eines Unternehmens gibt. Daneben beraten Wirtschaftsprüfer bei Unternehmensgründungen, Umstrukturierungen und Börsengängen. Viele arbeiten zusätzlich in der Steuerberatung, weil beide Tätigkeiten eng miteinander verbunden sind. Größere Prüfungsgesellschaften setzen zudem eigene Teams für Sonderprüfungen ein, etwa bei Betrugsverdacht oder vor größeren Übernahmen, wenn Käufer die tatsächliche wirtschaftliche Lage eines Unternehmens genau kennen müssen.
Gesetzliche Grundlage und Geschichte des Berufs
Grundlage des Berufs ist die Wirtschaftsprüferordnung. Der Beruf entstand 1931 durch eine Durchführungsverordnung zur Aktienrechtsverordnung. Bereits Anfang 1932 waren rund 280 Wirtschaftsprüfer und 32 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften eingetragen. Seither hat sich der Berufsstand zu einer tragenden Säule der Unternehmenskontrolle in Deutschland entwickelt und ist heute aus der Prüfung großer Kapitalgesellschaften nicht mehr wegzudenken.
Kurzantwort: Ein Wirtschaftsprüfer kontrolliert Jahresabschlüsse und bestätigt ihre Richtigkeit. Die gesetzliche Grundlage bildet die Wirtschaftsprüferordnung, der Beruf existiert seit 1931.
Zulassungsvoraussetzungen und Ausbildungsweg
Der Weg zum Wirtschaftsprüfer führt über ein Hochschulstudium, meist in Betriebswirtschaftslehre oder Wirtschaftsrecht. Danach folgt eine mehrjährige praktische Tätigkeit bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, in der Regel mindestens drei Jahre, davon zwei Jahre in der Abschlussprüfung. Wer diese Praxiszeit nachweist, kann zum Wirtschaftsprüferexamen zugelassen werden. Zusätzlich verlangt die Zulassung eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung und die Vereidigung durch die Wirtschaftsprüferkammer.
Das Examen: Schwierigkeit und Bestehensquote
Das Wirtschaftsprüferexamen zählt zu den anspruchsvollsten Berufsprüfungen in Deutschland. Im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2017 lag die Bestehensquote bei rund 53,6 Prozent. Die Durchfallquote bleibt über die Jahre konstant hoch, etwa die Hälfte aller Prüflinge scheitert. Die Prüfung deckt Wirtschaftsrecht, Steuerrecht, Rechnungslegung und Betriebswirtschaftslehre in schriftlichen und mündlichen Teilen ab. Viele Kandidaten bereiten sich neben dem Beruf über mehrere Jahre auf das Examen vor und wiederholen einzelne Teilprüfungen, wenn sie beim ersten Versuch nicht bestehen.
Gehalt: Einstieg, Durchschnitt und Spitzenverdienst
Laut aktuellen Gehaltsdaten liegt das niedrigste Jahresgehalt für Wirtschaftsprüfer bei mindestens 65.900 Euro brutto, das entspricht rund 5.500 Euro im Monat. Im Durchschnitt verdienen Wirtschaftsprüfer 76.200 Euro brutto im Jahr, umgerechnet etwa 6.350 Euro monatlich. Im oberen Einkommenssegment liegt das Jahresgehalt bei rund 87.700 Euro brutto, was etwa 7.300 Euro im Monat entspricht. Partner in großen Prüfungsgesellschaften verdienen deutlich mehr, abhängig von Umsatzbeteiligung und Mandantenstamm. Regionale Unterschiede spielen ebenfalls eine Rolle, in Ballungszentren wie Frankfurt, München oder Düsseldorf liegen die Gehälter meist über dem bundesweiten Durchschnitt.
Kurzantwort: Wirtschaftsprüfer verdienen im Schnitt rund 76.200 Euro brutto im Jahr. Der Einstieg liegt bei etwa 65.900 Euro, erfahrene Prüfer erreichen bis zu 87.700 Euro und mehr.
Arbeitgeber und Karrierewege
Wirtschaftsprüfer arbeiten bei großen internationalen Prüfungsgesellschaften, mittelständischen Kanzleien oder als selbstständige Prüfer. Mit wachsender Erfahrung übernehmen sie die Leitung von Prüfungsteams, spezialisieren sich auf Branchen wie Banken oder Versicherungen oder wechseln in die interne Revision und das Rechnungswesen großer Unternehmen. Manche gründen später eine eigene Prüfungsgesellschaft. Wieder andere wechseln als Finanzvorstand oder Leiter des Rechnungswesens direkt in die Wirtschaft, wo ihre Prüfungserfahrung bei der Steuerung großer Unternehmen sehr gefragt ist.
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater im Vergleich
Beide Berufe überschneiden sich häufig, unterscheiden sich aber im Kern. Steuerberater konzentrieren sich auf die laufende steuerliche Betreuung und Steuererklärungen von Mandanten. Wirtschaftsprüfer prüfen dagegen vor allem Jahresabschlüsse und bestätigen deren Richtigkeit gegenüber Dritten. Viele Fachkräfte erwerben im Lauf ihrer Karriere beide Qualifikationen und bieten Mandanten damit ein umfassendes Leistungsspektrum aus einer Hand. Für Unternehmen bedeutet das kürzere Wege, weil Steuerfragen und Bilanzprüfung dann aus einer Kanzlei kommen und aufeinander abgestimmt sind.
Fazit
Der Beruf des Wirtschaftsprüfers verlangt ein langes Studium, mehrjährige Praxis und ein sehr anspruchsvolles Examen. Wer diesen Weg meistert, erhält im Gegenzug ein überdurchschnittliches Gehalt und vielfältige Karrierewege in Prüfung, Beratung und Unternehmensführung.
FAQ – Häufige Fragen
Was ist die Hauptaufgabe eines Wirtschaftsprüfers?
Die Hauptaufgabe ist die Prüfung von Jahresabschlüssen und die Erteilung eines Bestätigungsvermerks.
Welches Studium braucht man für den Beruf?
Üblich ist ein Studium der Betriebswirtschaftslehre oder Wirtschaftsrechts, alternativ zählt auch langjährige einschlägige Berufserfahrung.
Wie lange dauert die Praxiszeit vor dem Examen?
In der Regel sind mindestens drei Jahre Praxis bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft nötig, davon zwei Jahre in der Abschlussprüfung.
Wie schwer ist das Wirtschaftsprüferexamen?
Es gilt als eines der schwersten Berufsexamen in Deutschland, die Bestehensquote liegt im Schnitt bei rund 54 Prozent.
Was verdient ein Wirtschaftsprüfer im Schnitt?
Der Durchschnitt liegt bei etwa 76.200 Euro brutto im Jahr, der Einstieg beginnt bei rund 65.900 Euro.
Seit wann gibt es den Beruf?
Der Beruf entstand 1931 durch eine Durchführungsverordnung zur Aktienrechtsverordnung.
Was ist der Unterschied zum Steuerberater?
Steuerberater betreuen laufend die Steuerangelegenheiten von Mandanten, Wirtschaftsprüfer bestätigen die Richtigkeit von Jahresabschlüssen.
Wo arbeiten Wirtschaftsprüfer?
Typische Arbeitgeber sind große Prüfungsgesellschaften, mittelständische Kanzleien und die interne Revision von Unternehmen.
Braucht man eine Versicherung für die Zulassung?
Ja, eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung gehört zu den Voraussetzungen für die Bestellung als Wirtschaftsprüfer.
Wer vereidigt Wirtschaftsprüfer?
Die Vereidigung übernimmt die Wirtschaftsprüferkammer als zuständige Berufsorganisation.
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Quellen
Von Andre Siebert, Redaktion vermögensatlas.de. Zahlen stammen aus amtlichen Statistiken mit Jahresangabe.
