Umziehen mit Sonderurlaub: Anspruch beim Umzug

Veröffentlicht am 26.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Für einen privaten Umzug gibt es in Deutschland keinen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf Sonderurlaub. Bezahlt frei gibt es nur, wenn der Arbeitsvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder ein Tarifvertrag das vorsieht. Muss jemand aus betrieblichen Gründen umziehen, kann zusätzlich § 616 BGB greifen. Im öffentlichen Dienst regelt § 29 TVöD einen freien Tag für dienstlich veranlasste Umzüge.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kein gesetzlicher Sonderurlaub für private Umzüge.
  • § 616 BGB hilft höchstens bei betrieblich bedingten Umzügen.
  • Der TVöD gibt einen Arbeitstag für dienstlich bedingte Umzüge.
  • Ohne Regelung bleiben Urlaub, Überstunden oder unbezahlte Freistellung.

Umziehen und Sonderurlaub: was das Gesetz sagt

Das Bundesurlaubsgesetz kennt keinen Sonderurlaub. Es regelt nur den Erholungsurlaub von mindestens 24 Werktagen im Jahr. Ein Umzug taucht dort nicht auf.

Die einzige gesetzliche Stelle ist § 616 BGB. Danach verliert ein Arbeitnehmer seinen Lohn nicht, wenn er für eine verhältnismäßig kurze Zeit ohne eigenes Verschulden an der Arbeit gehindert ist. Der Grund muss in seiner Person liegen. Klassische Beispiele sind Hochzeit, Geburt oder Todesfall in der Familie.

Kurzantwort: Ein gesetzlicher Anspruch auf Sonderurlaub für einen privaten Umzug besteht nicht. Er ergibt sich nur aus Vertrag, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag.

Gilt § 616 BGB für den Umzug?

Bei einem privaten Umzug meist nicht. Ein Umzug lässt sich planen und auf einen freien Tag oder ein Wochenende legen. Die Verhinderung muss aber dringend in die Arbeitszeit fallen.

Anders sieht es aus, wenn der Arbeitgeber den Umzug veranlasst. Das ist etwa bei einer Versetzung an einen anderen Standort der Fall. Dann spricht mehr für einen bezahlten Tag.

Zwei Beispiele machen den Unterschied deutlich. Eine Verkäuferin zieht in eine größere Wohnung im selben Ort. Das ist ihre private Entscheidung, der Umzug lässt sich planen. Ein Anspruch nach § 616 BGB besteht in der Regel nicht. Ein Techniker wird dagegen von seinem Arbeitgeber an einen Standort in 200 Kilometern Entfernung versetzt. Hier liegt der Anlass beim Betrieb. Ist § 616 BGB im Vertrag nicht ausgeschlossen, kann ein bezahlter Tag drin sein.

Ein wichtiger Haken: § 616 BGB lässt sich im Arbeits- oder Tarifvertrag ausschließen. Viele Verträge tun das. Ein Blick in den eigenen Vertrag ist deshalb der erste Schritt.

Sonderurlaub beim Umzug im TVöD

Im öffentlichen Dienst ist die Lage klarer. § 29 TVöD regelt die Arbeitsbefreiung mit Fortzahlung des Entgelts. Bei einem Umzug aus dienstlichem oder betrieblichem Grund an einen anderen Ort gibt es einen Arbeitstag frei.

Der neue Wohnort muss nicht der Dienstort sein. Entscheidend ist, dass dienstliche Gründe den Umzug in eine andere Gemeinde nötig gemacht haben. Wer vor dem ersten Arbeitstag umzieht, hat keinen Anspruch. Das Arbeitsverhältnis besteht dann ja noch nicht.

Anlass nach § 29 TVöD Freie Tage
Umzug aus dienstlichem Grund an einen anderen Ort 1 Arbeitstag
Niederkunft der Ehefrau oder Lebenspartnerin 1 Arbeitstag
Tod von Ehegatte, Kind oder Elternteil 2 Arbeitstage
25- und 40-jähriges Arbeitsjubiläum 1 Arbeitstag

Zusätzlich darf der Arbeitgeber nach § 29 Abs. 3 TVöD in dringenden Fällen bis zu drei Tage bezahlt freigeben. Einen Anspruch darauf gibt es nicht.

Andere Tarifverträge und Beamte

Einzelne Tarifverträge in der Privatwirtschaft sehen einen freien Tag für den Umzug vor. Manchmal gibt es zwei Tage, wenn der Umzug in eine andere Stadt führt. Ob das gilt, steht im jeweiligen Tarifvertrag. Der Betriebsrat oder die Personalabteilung weiß Bescheid.

Für Beamte gilt eigenes Recht. Beim Bund regelt die Sonderurlaubsverordnung, wann Sonderurlaub möglich ist. Die Länder haben eigene Vorschriften.

Ohne Anspruch: diese Wege bleiben

  • Erholungsurlaub: Ein oder zwei Urlaubstage sind der sichere Weg.
  • Überstunden abbauen: Ein Arbeitszeitkonto eignet sich gut.
  • Unbezahlte Freistellung: möglich, wenn der Arbeitgeber zustimmt.
  • Umzug auf Freitag oder Samstag legen: spart oft den freien Tag ganz.

Viele Arbeitgeber geben auch ohne Pflicht einen Tag frei. Fragen kostet nichts. Am besten stellt man den Antrag früh und schriftlich, mit dem Betreff „Antrag auf Sonderurlaub wegen Umzug“.

Kurzantwort: Ohne Regelung im Vertrag bleibt nur Urlaub, Überstundenabbau oder eine freiwillige Freistellung. Viele Arbeitgeber zeigen sich bei einer frühen Anfrage kulant.

Geld sparen beim Umzug

Neben der Zeit geht es beim Umzug um Geld. Ist der Umzug beruflich veranlasst, können die Kosten als Werbungskosten in die Steuererklärung. Bei privaten Umzügen lassen sich die Arbeitskosten eines Umzugsunternehmens als haushaltsnahe Dienstleistung angeben. Das Finanzamt erkennt davon 20 Prozent an, höchstens 4.000 Euro im Jahr. Rechnung und Überweisung sollten aufbewahrt werden.

Nach dem Umzug läuft außerdem eine Frist. Die Ummeldung beim Bürgeramt muss innerhalb von zwei Wochen erfolgen.

Fazit

Einen allgemeinen Anspruch auf Sonderurlaub für den Umzug gibt es nicht. § 616 BGB hilft nur in Ausnahmen und ist oft ausgeschlossen. Im öffentlichen Dienst gibt es einen Tag bei dienstlich bedingtem Umzug. In allen anderen Fällen lohnt der Blick in Vertrag und Tarifvertrag und eine frühe Anfrage beim Arbeitgeber.

FAQ – Häufige Fragen

Gibt es gesetzlich Sonderurlaub für einen Umzug?

Nein. Ein allgemeiner gesetzlicher Anspruch besteht nicht.

Wie viele Tage Sonderurlaub gibt es im TVöD für einen Umzug?

Einen Arbeitstag, wenn der Umzug dienstlich oder betrieblich bedingt ist.

Gilt der TVöD-Tag auch für private Umzüge?

Nein. Ein privater Umzug fällt nicht unter § 29 TVöD.

Was regelt § 616 BGB?

Er sichert den Lohn bei kurzer, unverschuldeter Verhinderung aus persönlichen Gründen.

Kann § 616 BGB ausgeschlossen werden?

Ja, im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag.

Muss der Arbeitgeber einen freien Tag geben?

Nur wenn Vertrag, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag das vorsehen.

Was gilt für Beamte?

Beim Bund gilt die Sonderurlaubsverordnung. Die Länder haben eigene Regeln.

Wie wird Sonderurlaub für den Umzug beantragt?

Früh und schriftlich beim Arbeitgeber, mit Datum und Grund.

Lassen sich Umzugskosten von der Steuer absetzen?

Beruflich bedingte Umzüge als Werbungskosten. Bei privaten Umzügen zählen die Arbeitskosten der Firma als haushaltsnahe Dienstleistung.

Bis wann muss die Ummeldung erfolgen?

Innerhalb von zwei Wochen nach dem Einzug.

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Hinweis: Dieser Text ersetzt keine rechtliche oder steuerliche Beratung. Im Einzelfall helfen Arbeitgeber, Betriebsrat oder eine Steuerberatung weiter.

Quellen

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