Kurz gesagt: Eine amtliche Definition von „reich“ gibt es nicht. Statistisch gehört man mit einem Nettovermögen im mittleren sechsstelligen Bereich bereits zu den oberen zehn Prozent; das oberste Prozent beginnt im Millionenbereich. Der Median liegt dagegen bei rund 20.000 bis 30.000 Euro je Erwachsenem.
Der Abstand zwischen Mitte und Spitze ist beim Vermögen weit größer als beim Einkommen.
Was Nettovermögen ist
Alles, was man besitzt, minus alles, was man schuldet: Immobilien, Bankguthaben, Wertpapiere, Betriebsvermögen, Fahrzeuge und Wertgegenstände abzüglich Krediten.
Die gesetzliche Rentenanwartschaft zählt in dieser Rechnung nicht mit – ein wichtiger Punkt, weil sie für viele Haushalte der größte Posten der Alterssicherung ist.
Die Größenordnungen
Median. Die Hälfte aller Erwachsenen liegt darüber, die Hälfte darunter. Erhebungen von Bundesbank und DIW verorten ihn im niedrigen fünfstelligen Bereich.
Durchschnitt. Deutlich höher als der Median, weil wenige sehr Vermögende den Mittelwert nach oben ziehen. Wer über Vermögen spricht, sollte deshalb immer den Median nennen.
Obere zehn Prozent. Beginnen im mittleren sechsstelligen Bereich.
Oberstes Prozent. Beginnt im Millionenbereich.
Die genauen Schwellen unterscheiden sich je nach Erhebung, weil sehr große Vermögen in Befragungen systematisch untererfasst werden.
Warum die Zahlen auseinandergehen
Es gibt in Deutschland keine Vermögensstatistik aus Steuerdaten – die Vermögensteuer wird seit 1997 nicht mehr erhoben. Alle Zahlen beruhen auf Stichproben.
Wer sehr viel besitzt, nimmt an Befragungen seltener teil. Studien rechnen diese Lücke mit Modellen hoch, und je nach Modell fällt das Ergebnis anders aus.
Was das Bild stark prägt
Wohneigentum. Es ist für die meisten Haushalte der größte Vermögensposten. Deutschland hat im europäischen Vergleich eine niedrige Eigentumsquote – das drückt das Medianvermögen deutlich.
Ost-West-Unterschied. Das Medianvermögen liegt in Ostdeutschland weiterhin klar niedriger.
Erbschaften. Sie erklären einen erheblichen Teil der Unterschiede – mehr als das laufende Einkommen.
Einkommen ist nicht Vermögen
Ein hohes Gehalt macht nicht automatisch vermögend. Wer viel verdient und alles ausgibt, hat kein Vermögen; wer eine abbezahlte Immobilie besitzt, hat welches – auch bei kleiner Rente.
Woher die Daten stammen
Angaben zur Vermögensverteilung beruhen in Deutschland vor allem auf zwei Erhebungen: einer Panelbefragung privater Haushalte und einer Studie der Bundesbank zu Vermögen und Finanzen. Beide befragen Haushalte, keine Personen. Deshalb sind Umrechnungen nötig.
Sehr hohe Vermögen sind in Befragungen unterrepräsentiert, weil Betroffene seltener teilnehmen. Forschende gleichen das über Modellrechnungen und Reichenlisten aus. Diese Korrekturen erhöhen die geschätzte Ungleichheit deutlich.
Eine amtliche Vermögensstatistik gibt es nicht, weil die Vermögensteuer seit 1997 nicht mehr erhoben wird. Damit fehlt die Datenbasis, die andere Länder haben. Das ist eine bekannte Lücke.
Was zum Vermögen zählt
Erfasst werden Immobilien, Geldanlagen, Betriebsvermögen, Fahrzeuge und Wertgegenstände, abzüglich Schulden. Nicht enthalten sind in der Regel Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Genau das verzerrt Vergleiche erheblich.
Würden Rentenansprüche eingerechnet, sähe die Verteilung deutlich gleichmäßiger aus, weil sie bei vielen Haushalten den größten Posten darstellen. Ökonomen streiten darüber, ob sie einbezogen werden sollten. Beide Sichtweisen sind begründbar.
Auch die Betrachtungsebene entscheidet: Haushaltsvermögen wird bei Paaren geteilt, was Einzelwerte verändert. Wer Zahlen vergleicht, sollte darauf achten. Die Angabe steht in jeder seriösen Quelle.
Warum Median und Mittelwert auseinandergehen
Der Mittelwert wird von sehr großen Vermögen nach oben gezogen, der Median beschreibt dagegen die Mitte. In Deutschland liegen beide Werte weit auseinander. Das ist ein Hinweis auf ungleiche Verteilung.
Für die Frage, ab wann man reich ist, ist der Median die anschaulichere Größe. Wer deutlich darüber liegt, gehört zur oberen Hälfte. Für die oberen Prozente werden Perzentile verwendet.
Solche Kennzahlen sagen nichts über die Lebenssituation aus. Ein hohes Immobilienvermögen bedeutet nicht viel verfügbares Geld. Diese Unterscheidung fehlt in Debatten häufig.
Regionale Unterschiede
Vermögen ist in Deutschland regional sehr ungleich verteilt: Im Westen sind die Werte im Mittel deutlich höher als im Osten. Ursache ist vor allem der geringere Immobilienbesitz und die kürzere Zeit zur Vermögensbildung. Dieser Unterschied besteht seit Jahrzehnten.
Auch zwischen Stadt und Land gibt es Unterschiede, weil Immobilienwerte stark auseinandergehen. Ein gleich großes Haus hat je nach Lage einen völlig anderen Wert. Das verändert Statistiken erheblich.
Für Vergleiche sind deshalb regionale Auswertungen sinnvoller als Bundesdurchschnitte. Die Statistischen Landesämter veröffentlichen entsprechende Daten. Sie sind frei zugänglich.
Wie Vermögen entsteht
Die wichtigsten Wege sind Ersparnisse aus Erwerbseinkommen, Wertsteigerungen von Immobilien und Erbschaften. Der Anteil der Erbschaften ist erheblich und wächst, weil die Nachkriegsgeneration vererbt. Untersuchungen dazu erscheinen regelmäßig.
Wer erbt, startet mit einem Vorsprung, der sich über Zinseszins verstärkt. Diese Dynamik erklärt einen großen Teil der Ungleichheit. Sie ist unabhängig von individueller Leistung.
Politisch wird darüber im Zusammenhang mit Erbschaft- und Vermögensteuer diskutiert. Die Ausgestaltung ist umstritten. Zahlen dazu liefern Forschungsinstitute und das Bundesfinanzministerium.
Was das für den Einzelnen bedeutet
Für die eigene Einordnung sind Vergleichsrechner nützlich, die anhand von Einkommen und Vermögen die Position in der Verteilung zeigen. Solche Rechner stellen Forschungsinstitute kostenfrei bereit. Sie beruhen auf denselben Erhebungen.
Wichtiger als die Position ist meist die eigene Absicherung: Notgroschen, Altersvorsorge und Absicherung der Arbeitskraft. Diese drei Punkte wirken unabhängig vom Vermögensrang. Verbraucherzentralen beraten dazu unabhängig.
Wer sich mit dem Thema befasst, sollte Statistik und persönliche Lage trennen. Eine Zahl beschreibt eine Verteilung, keine Lebenssituation. Diese Unterscheidung erspart falsche Schlüsse.
Häufige Fragen
Ab wann gilt man als Millionär?
Üblicherweise ab einem Nettovermögen von einer Million Euro, oft ohne die selbst genutzte Immobilie gerechnet.
Warum ist der Durchschnitt so viel höher als der Median?
Weil einzelne sehr große Vermögen den Mittelwert anheben. Der Median ist die aussagekräftigere Zahl.
Gibt es eine amtliche Definition von Reichtum?
Nein. In der Forschung wird oft das Doppelte des Medianvermögens als Schwelle verwendet.
Warum gibt es keine amtliche Vermögensstatistik?
Die Vermögensteuer wird seit 1997 nicht mehr erhoben.
Zählen Rentenansprüche mit?
In der Regel nicht, das verzerrt Vergleiche.
Was sagt der Median?
Er beschreibt die Mitte, anders als der Mittelwert.
Quellen
- Deutsche Bundesbank – Studie „Vermögen und Finanzen privater Haushalte“
- Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung
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- Matthew Vaughn Vermögen: Filme, Firma und die Zahlen
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Geschrieben von Bella, Redaktion vermögensatlas.de — sie schreibt hier über Vermögen, Einkommen und Zahlen dahinter.
