Inhalt
Kurz gesagt: Elon Musks Vermögen besteht fast vollständig aus Unternehmensanteilen – vor allem an Tesla und SpaceX. Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen sind über Pflichtmeldungen an die US-Börsenaufsicht nachvollziehbar; alles andere ist Schätzung. Jede Zahl gilt nur für einen Stichtag.
Er hält kein Vermögen in der Form, in der die meisten Menschen daran denken.
Woraus das Vermögen besteht
Tesla. Der Anteil ist über Meldungen an die US-Börsenaufsicht SEC dokumentiert. Weil Tesla börsennotiert ist, lässt sich der Wert dieses Teils exakt berechnen: Anzahl mal Kurs.
SpaceX. Nicht börsennotiert. Der Wert ergibt sich aus Finanzierungsrunden und Anteilsverkäufen unter Investoren – also aus Bewertungen, nicht aus Marktpreisen.
X und xAI. Ebenfalls nicht börsennotiert, mit denselben Unsicherheiten. Nach der Übernahme des Kurznachrichtendienstes 2022 schwankten die Bewertungen erheblich.
Weitere Beteiligungen. Neuralink und The Boring Company.
Warum die Zahl täglich schwankt
Bewegt sich der Tesla-Kurs um wenige Prozent, ändert sich das rechnerische Vermögen um Milliarden – ohne dass ein einziger Anteil den Besitzer gewechselt hätte.
Deshalb sind Angaben ohne Datum wertlos. Eine Vermögenszahl ist eine Momentaufnahme.
Der Punkt, den Ranglisten oft übergehen
Große Aktienpakete werden häufig als Sicherheit für Kredite genutzt, statt sie zu verkaufen. Der Vorteil: Ein Kredit ist kein Verkauf und löst keine Steuer aus.
Der Nachteil: Fällt der Kurs stark, kann die Bank Nachschuss verlangen. Tesla weist in seinen Unterlagen darauf hin, dass Vorstandsmitglieder Aktien verpfänden dürfen – ein bekanntes Risiko für die übrigen Aktionäre.
Das Vergütungspaket
Musk bezog bei Tesla über Jahre kein reguläres Gehalt, sondern ein an Kurs- und Betriebsziele gebundenes Aktienpaket. Ein 2018 beschlossenes Paket wurde 2024 von einem Gericht in Delaware für unwirksam erklärt; das Verfahren zog sich über weitere Instanzen und die Aktionäre stimmten erneut ab.
Der Fall zeigt, wie stark solche Vermögen von Beschlüssen und Gerichtsentscheidungen abhängen – nicht von einem Kontostand.
Was in keiner Rangliste steht
Steuerlasten, Kredite und private Ausgaben sind nur teilweise bekannt. Forbes und Bloomberg rechnen mit unterschiedlichen Annahmen und kommen deshalb regelmäßig auf abweichende Summen.
Wo die Zahlen herkommen
Für börsennotierte US-Unternehmen sind Beteiligungen von Vorständen, Direktoren und Großaktionären meldepflichtig. Diese Meldungen liegen bei der US-Börsenaufsicht und sind über deren Datenbank frei einsehbar. Sie enthalten Stückzahlen, Datum und Art des Geschäfts.
Aus Stückzahl und Börsenkurs ergibt sich ein Marktwert, der sich mit jedem Handelstag ändert. Genau das rechnen Wirtschaftsmedien für ihre Ranglisten aus. Der Rechenweg ist transparent, das Ergebnis trotzdem eine Momentaufnahme.
Für nicht börsennotierte Unternehmen fehlt ein Marktpreis. Dort werden Bewertungen aus der letzten Finanzierungsrunde herangezogen, die Monate oder Jahre alt sein kann. Solche Werte sind deutlich unsicherer als Börsenkurse.
Beliehene Aktien
Große Anteilseigner verkaufen ihre Aktien häufig nicht, sondern nehmen Kredite auf und hinterlegen die Anteile als Sicherheit. Das vermeidet Steuern auf Veräußerungsgewinne und erhält die Stimmrechte. Solche Kreditlinien werden in Unternehmensunterlagen offengelegt.
Der Nachteil ist ein Klumpenrisiko: Fällt der Kurs stark, kann die Bank Nachschüsse verlangen. Im Extremfall müssen Anteile verkauft werden, was den Kurs weiter drückt. Genau dieses Risiko taucht in Ranglisten nicht auf.
Ranglisten ziehen die Verbindlichkeiten meist nicht oder nur pauschal ab, weil private Schulden nicht vollständig bekannt sind. Der ausgewiesene Wert ist deshalb eher ein Bruttowert. Das ist einer der größten Unschärfefaktoren.
Was Vergütungspakete bedeuten
Bei Aktienoptionen entsteht ein Wert erst, wenn Ziele erreicht und die Optionen ausgeübt werden. Bis dahin handelt es sich um eine Anwartschaft, die verfallen kann. Bewertungsmodelle rechnen sie trotzdem mit einem Zeitwert ein.
Solche Pakete sind an Kurs- und Betriebsziele gekoppelt und laufen über viele Jahre. Sie können gerichtlich angefochten werden, wie mehrere Verfahren in den USA gezeigt haben. Auch das macht die Bewertung unsicher.
Für eine seriöse Angabe müsste zwischen gehaltenen Aktien, ausübbaren Optionen und noch nicht verdienten Anwartschaften unterschieden werden. Die meisten Meldungen tun das nicht. Deshalb gehen die Zahlen verschiedener Quellen auseinander.
Wie man es selbst nachprüft
Die Datenbank der US-Börsenaufsicht ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar. Über die Suche nach dem Unternehmen lassen sich die Meldungen zu Insidergeschäften aufrufen, die jede Änderung dokumentieren. Die Formulare sind einheitlich aufgebaut.
Ergänzend enthalten die jährlichen Berichte an die Aktionäre eine Tabelle der größten Anteilseigner mit Prozentangaben. Diese Angaben beziehen sich auf einen Stichtag, der im Dokument genannt wird. Damit lässt sich jede Rangliste gegenprüfen.
Wer den Kurs zum selben Stichtag heranzieht, kommt auf einen nachvollziehbaren Wert. Abweichungen zu Medienangaben erklären sich meist durch andere Stichtage oder eingerechnete Optionen. Der Rechenweg entscheidet über das Ergebnis.
Warum Vergleiche schwierig sind
Vermögen aus Unternehmensanteilen ist nicht mit Bankguthaben vergleichbar, weil es nicht ohne Kursverlust liquidierbar ist. Ein Verkauf großer Pakete drückt den Kurs, weshalb der rechnerische Wert nie vollständig realisierbar ist. Diesen Effekt nennt man Marktenge.
Hinzu kommt die Währungsfrage: Die meisten Angaben stammen in US-Dollar und werden zum Tageskurs umgerechnet. Schon Wechselkursbewegungen verändern die Zahl in Euro spürbar. Ein Datum gehört deshalb zu jeder Angabe.
Für Leserinnen und Leser heißt das: Eine einzelne Zahl ohne Stichtag und ohne Rechenweg ist wertlos. Mit beidem wird sie überprüfbar. Genau daran lassen sich seriöse von unseriösen Angaben unterscheiden.
Wie Ranglisten sich unterscheiden
Die bekannten Vermögensranglisten großer Wirtschaftsmedien verwenden unterschiedliche Methoden und aktualisieren in unterschiedlichen Takten. Eine rechnet börsentäglich, eine andere einmal im Jahr mit Stichtag. Schon daraus ergeben sich Abweichungen im zweistelligen Milliardenbereich.
Hinzu kommen Annahmen über Privatvermögen, Immobilien und nicht börsennotierte Beteiligungen, die keine Quelle offenlegt. Diese Posten werden geschätzt. Die Methodik steht jeweils in einer eigenen Erläuterung.
Wer zwei Zahlen vergleicht, sollte deshalb zuerst die Methodik lesen. Ohne sie lässt sich der Unterschied nicht deuten. Beide Angaben können gleichzeitig korrekt sein.
Häufige Fragen
Wo lassen sich die Anteile nachprüfen?
In den Pflichtmeldungen an die US-Börsenaufsicht SEC.
Hat er das Geld auf dem Konto?
Nein. Es sind Unternehmensanteile.
Warum nennen zwei Quellen unterschiedliche Summen?
Weil Bewertungen nicht börsennotierter Firmen, Schulden und Steuern unterschiedlich angesetzt werden.
Wo sind die Anteile dokumentiert?
In den Meldungen an die US-Börsenaufsicht.
Warum weichen Quellen voneinander ab?
Wegen unterschiedlicher Stichtage und Rechenwege.
Was bedeutet beliehene Aktien?
Sie dienen als Sicherheit für Kredite statt verkauft zu werden.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Beyoncé Vermögen: Einnahmequellen und was sich belegen lässt
- Deka Vermögen Online: Kundenportal, Login und Funktionen
- Frederic von Anhalt Vermögen: Was tatsächlich belegt ist
Geschrieben von Bella, Redaktion vermögensatlas.de — sie schreibt hier über Vermögen, Einkommen und Zahlen dahinter.
