Inhalt
Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten
Ein Prokurist vertritt ein Unternehmen nach außen mit einer der weitreichendsten Vollmachten im deutschen Handelsrecht, der Prokura. Er unterschreibt Verträge, leistet Zahlungen und kommuniziert mit Geschäftspartnern im Namen der Firma. Das Durchschnittsgehalt liegt 2026 bei rund 72.500 Euro brutto im Jahr, meist zusätzlich zum Grundgehalt als Zulage ausgezahlt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Prokura ist eine gesetzlich geregelte Vollmacht nach §§ 48 bis 53 HGB.
- Prokuristen dürfen fast alle Geschäfte abschließen, aber keine Bilanzen unterzeichnen oder Grundstücke verkaufen.
- Das Durchschnittsgehalt liegt 2026 bei etwa 72.500 Euro brutto jährlich.
- Eine Prokura wird ins Handelsregister eingetragen und kann jederzeit widerrufen werden.
Was die Prokura rechtlich bedeutet
Die Prokura ist im Handelsgesetzbuch geregelt. Nach § 48 HGB kann sie nur der Inhaber eines Handelsgeschäfts oder sein gesetzlicher Vertreter erteilen, und zwar durch eine ausdrückliche Erklärung. Sie zählt zu den umfassendsten Vollmachten, die eine Firma vergeben kann, weil sie fast alle gerichtlichen und außergerichtlichen Geschäfte abdeckt, die der Betrieb eines Handelsgewerbes mit sich bringt.
Aufgaben eines Prokuristen
Im Alltag unterschreibt ein Prokurist Verträge, verhandelt mit Lieferanten und Kunden und leistet Zahlungen für das Unternehmen. Er kann außerdem Vollmachten an andere Mitarbeiter weitergeben und das Unternehmen vor Gericht vertreten. Diese Befugnisse machen ihn zu einer der wichtigsten Personen direkt unterhalb der Geschäftsführung.
Kurzantwort: Ein Prokurist darf im Namen des Unternehmens Verträge unterschreiben, Zahlungen leisten und die Firma nach außen vertreten, jedoch keine Bilanzen unterzeichnen oder Grundstücke verkaufen.
Grenzen der Prokura
Trotz der weiten Befugnisse gibt es klare Grenzen. Ein Prokurist darf keine Jahresbilanz unterschreiben, den Betrieb nicht einstellen, keine Insolvenz anmelden und keine Grundstücke verkaufen oder belasten, sofern die Prokura das nicht ausdrücklich erlaubt. Solche Grundlagenentscheidungen bleiben Sache der Geschäftsführung oder der Gesellschafter.
Einzelprokura und Gesamtprokura
Firmen können die Prokura an eine einzelne Person vergeben, die dann allein handeln darf. Häufiger ist die Gesamtprokura, bei der mehrere Prokuristen nur gemeinsam oder zusammen mit einem Geschäftsführer handeln dürfen. Das schafft zusätzliche Kontrolle bei größeren Entscheidungen und schützt das Unternehmen vor Alleingängen.
Wie man Prokurist wird
Eine feste Ausbildung für den Titel Prokurist gibt es nicht. Meist erhalten langjährige, besonders vertrauenswürdige Mitarbeiter die Prokura, oft nach mehreren Jahren in leitender Funktion im Finanz-, Vertriebs- oder Einkaufsbereich. Die Erteilung wird ins Handelsregister eingetragen und ist damit öffentlich einsehbar. Ein kaufmännisches oder juristisches Studium erleichtert den Weg, ist aber keine Pflicht. Viele Prokuristen arbeiten vorher als Abteilungsleiter, Bereichsleiterin oder in einer ähnlichen Führungsposition und übernehmen die Prokura als sichtbares Zeichen ihrer Verantwortung im Unternehmen.
Prokurist und Geschäftsführer im Vergleich
Ein Geschäftsführer trägt die volle unternehmerische Verantwortung und haftet in bestimmten Fällen persönlich, etwa bei einer verspäteten Insolvenzanmeldung. Ein Prokurist bleibt dagegen angestellt und trägt dieses persönliche Haftungsrisiko nicht in gleichem Maß. Er handelt im Auftrag der Geschäftsführung, auch wenn seine Vollmacht im Alltag kaum spürbare Grenzen hat. Diese Aufteilung erklärt, warum viele Unternehmen die Prokura als Zwischenschritt zur Geschäftsführung nutzen. Für Bewerber signalisiert der Titel Prokurist im Lebenslauf ein hohes Maß an Verantwortung und Vertrauen, das bei einem Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber häufig positiv ins Gewicht fällt.
Gehalt und Zulage
Laut Gehaltsdaten für 2026 verdienen Prokuristen im Schnitt rund 72.500 Euro brutto im Jahr. Die Spanne reicht von etwa 64.100 bis 85.400 Euro, je nach Branche, Unternehmensgröße und Region. Die Prokura selbst wird häufig über eine Zulage von 5 bis 15 Prozent auf das Grundgehalt vergütet. In Ballungsräumen wie Frankfurt, München oder Stuttgart liegen die Gehälter meist über dem Bundesdurchschnitt.
Kurzantwort: Prokuristen verdienen 2026 im Schnitt rund 72.500 Euro brutto im Jahr, zusätzlich zur Vollmacht meist über eine Zulage von 5 bis 15 Prozent auf das Grundgehalt.
Widerruf der Prokura
Eine Prokura kann jederzeit widerrufen werden, unabhängig vom zugrunde liegenden Arbeitsverhältnis. Der Widerruf muss ebenfalls ins Handelsregister eingetragen werden, damit er gegenüber Dritten wirksam ist. Endet das Arbeitsverhältnis, erlischt die Prokura in der Regel automatisch, auch ohne separaten Widerruf.
Fazit
Die Prokura macht einen Mitarbeiter zu einer der wichtigsten Personen im Unternehmen direkt unterhalb der Geschäftsführung. Sie bringt weitreichende Befugnisse, klare gesetzliche Grenzen und ein überdurchschnittliches Gehalt mit sich. Wer die Prokura erhält, genießt in der Regel das volle Vertrauen der Geschäftsleitung.
FAQ – Häufige Fragen
Was macht ein Prokurist konkret?
Ein Prokurist unterschreibt Verträge, leistet Zahlungen und vertritt das Unternehmen gegenüber Kunden, Lieferanten und Gerichten.
Was ist der Unterschied zwischen Prokura und Vollmacht?
Die Prokura ist gesetzlich in den §§ 48 bis 53 HGB geregelt und deckt deutlich mehr Geschäfte ab als eine gewöhnliche, individuell formulierte Vollmacht.
Was verdient ein Prokurist im Durchschnitt?
Das Durchschnittsgehalt liegt 2026 bei rund 72.500 Euro brutto im Jahr, mit einer Spanne von etwa 64.100 bis 85.400 Euro.
Darf ein Prokurist Immobilien verkaufen?
Nein, der Verkauf oder die Belastung von Grundstücken zählt zu den Geschäften, die eine Prokura ohne ausdrückliche Zusatzerlaubnis nicht abdeckt.
Wie wird eine Prokura erteilt?
Der Inhaber des Unternehmens oder sein gesetzlicher Vertreter erteilt sie durch ausdrückliche Erklärung, die Eintragung ins Handelsregister ist Pflicht.
Was ist der Unterschied zwischen Einzel- und Gesamtprokura?
Bei der Einzelprokura darf die Person allein handeln, bei der Gesamtprokura nur gemeinsam mit einem weiteren Prokuristen oder Geschäftsführer.
Braucht man ein Studium, um Prokurist zu werden?
Nein, es gibt keine feste Ausbildungspflicht, meist entscheidet langjährige Erfahrung und das Vertrauen der Geschäftsführung.
Kann eine Prokura widerrufen werden?
Ja, die Prokura kann jederzeit widerrufen werden, der Widerruf muss ebenfalls im Handelsregister eingetragen werden.
Erlischt die Prokura mit dem Arbeitsverhältnis?
In der Regel ja, endet das Arbeitsverhältnis, erlischt die Prokura automatisch, auch ohne gesonderten Widerruf.
Zahlt jedes Unternehmen eine Zulage für die Prokura?
Üblich ist eine Zulage von 5 bis 15 Prozent auf das Grundgehalt, verpflichtend ist sie gesetzlich aber nicht.
Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle steuerliche oder finanzielle Beratung.
- Architekt Gehalt: Verdienst im Überblick
- Assistenzarzt Gehalt: Was Berufseinsteiger verdienen
- Anlagevermögen einfach erklärt
- Ab welchem Vermögen gilt man in Deutschland als reich
Quellen
Von Andre Siebert, Redaktion vermögensatlas.de. Zahlen stammen aus amtlichen Statistiken mit Jahresangabe.
