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Kurz gesagt: Wer die Frage nach dem Kontostand stellt, misst an der falschen Stelle. Statistisch hat die Hälfte der Haushalte in Deutschland nur einen niedrigen vierstelligen Betrag auf Giro- und Tagesgeldkonten. Reichtum wird über das Nettovermögen bestimmt – und liegt für die meisten Vermögenden nicht auf dem Konto.
Vermögende halten wenig Bargeld. Genau das macht sie vermögend.
Warum der Kontostand wenig aussagt
Wer 200.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto hat, aber zur Miete wohnt, steht schlechter da als jemand mit 3.000 Euro auf dem Konto und einer abbezahlten Wohnung.
Der größte Vermögensposten deutscher Haushalte ist Immobilienbesitz, danach folgen Betriebsvermögen und Wertpapiere. Sichteinlagen sind in der Vermögensstatistik ein kleiner Posten.
Größenordnungen zur Einordnung
Notgroschen. Verbraucherzentralen empfehlen drei bis sechs Netto-Monatsgehälter als jederzeit verfügbare Rücklage. Für viele Haushalte sind das 5.000 bis 15.000 Euro.
Obere zehn Prozent beim Nettovermögen. Beginnen im mittleren sechsstelligen Bereich – meist überwiegend in Immobilien gebunden.
Oberstes Prozent. Beginnt im Millionenbereich.
Der Median des Nettovermögens je Erwachsenem liegt dagegen im niedrigen fünfstelligen Bereich.
Was hohe Kontoguthaben kosten
Liegt Geld unverzinst oder niedrig verzinst auf dem Konto, verliert es real an Wert, sobald die Inflation über dem Zins liegt. Bei drei Prozent Preissteigerung sind 100.000 Euro nach zehn Jahren rechnerisch nur noch rund 74.000 Euro wert.
Deshalb ist ein sehr hoher Kontostand kein Zeichen von Reichtum, sondern häufig ein Zeichen fehlender Anlage.
Die Einlagensicherung
Gesetzlich geschützt sind in der EU 100.000 Euro je Kunde und Bank. Viele deutsche Institute gehören zusätzlich einem freiwilligen Sicherungssystem an, das darüber hinausgeht.
Wer mehr hält, sollte auf mehrere Institute verteilen – oder das Geld anlegen.
Was Banken ab bestimmten Beträgen fragen
Bei größeren Bareinzahlungen greifen die Regeln des Geldwäschegesetzes: Ab bestimmten Schwellen muss die Herkunft nachgewiesen werden. Das ist Routine und kein Verdacht.
Wie Reichtum statistisch definiert wird
In der Sozialwissenschaft gilt als einkommensreich, wer mehr als das Doppelte des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Diese Definition arbeitet mit dem Median, nicht mit dem Durchschnitt, weil einzelne sehr hohe Einkommen den Durchschnitt verzerren. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Werte jährlich.
Beim Vermögen wird meist das Nettovermögen betrachtet, also Besitz abzüglich Schulden. Dazu zählen Immobilien, Wertpapiere, Betriebsvermögen und Guthaben. Der Kontostand ist darin nur ein kleiner Posten.
Erhebungen der Deutschen Bundesbank zeigen, dass das mittlere Nettovermögen deutscher Haushalte deutlich unter dem Durchschnitt liegt. Der Grund ist die ungleiche Verteilung. Wer diese beiden Werte verwechselt, kommt zu falschen Schlüssen.
Warum Guthaben real an Wert verliert
Liegt Geld unverzinst auf dem Konto, sinkt seine Kaufkraft mit der Inflation. Bei drei Prozent jährlich verliert ein Guthaben in zehn Jahren rund ein Viertel seines Werts. Dieser Verlust ist nicht sichtbar, weil die Zahl auf dem Auszug gleich bleibt.
Auch verzinste Guthaben gleichen die Inflation oft nicht aus, besonders nach Abzug der Abgeltungsteuer. Fachleute sprechen dann von negativer Realverzinsung. Über lange Zeiträume ist der Effekt erheblich.
Deshalb wird empfohlen, nur eine Rücklage von etwa drei Nettomonatsgehältern liquide zu halten. Alles darüber hinaus bleibt der eigenen Anlageentscheidung überlassen. Dieser Text ist keine Anlageberatung.
Wo die Einlagensicherung endet
Gesetzlich geschützt sind Einlagen bis 100.000 Euro pro Person und Institut. Bei Gemeinschaftskonten verdoppelt sich der Betrag. Diese Grenze gilt europaweit einheitlich.
Zeitlich befristet gilt für bestimmte Lebensereignisse wie einen Immobilienverkauf eine höhere Grenze, meist bis 500.000 Euro für sechs Monate. Voraussetzung ist ein Nachweis. Diese Regelung ist wenig bekannt.
Viele Institute gehören zusätzlich freiwilligen Sicherungssystemen an, deren Schutz höher liegt. Ein Rechtsanspruch besteht dort in der Regel nicht. Wer größere Summen hält, verteilt sie besser auf mehrere Banken.
Was Banken ab bestimmten Beträgen prüfen
Nach dem Geldwäschegesetz müssen Banken bei größeren Bareinzahlungen die Herkunft des Geldes klären. Bei Bestandskunden liegt die Schwelle häufig bei 10.000 Euro, bei anderen deutlich niedriger. Verlangt werden Nachweise wie Kaufverträge oder Kontoauszüge.
Auch ungewöhnliche Zahlungsmuster lösen Prüfungen aus, unabhängig von der Höhe. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und kein Misstrauen im Einzelfall. Wer die Unterlagen bereithält, hat keinen Aufwand.
Warum sich Reichtum schlecht vergleichen lässt
Dieselbe Summe bedeutet in München etwas anderes als in einer ländlichen Region, weil Mieten und Preise weit auseinanderliegen. Auch Alter und Familienstand spielen hinein. Deshalb arbeitet die Statistik mit gewichteten Haushaltsgrößen.
Hinzu kommt die Rolle von Immobilienbesitz: Wer mietfrei wohnt, braucht deutlich weniger laufendes Einkommen. In Ländern mit hoher Eigentumsquote fällt der Vergleich anders aus. Deutschland liegt dort im europäischen Vergleich niedrig.
Für die persönliche Einordnung ist deshalb weniger eine Zahl entscheidend als das Verhältnis von Vermögen zu laufenden Kosten. Diese Rechnung lässt sich selbst aufstellen. Sie sagt mehr als jede Schwelle.
Wo man belastbare Zahlen findet
Für Einkommen und Vermögen in Deutschland sind das Statistische Bundesamt, die Deutsche Bundesbank und das Sozio-oekonomische Panel die maßgeblichen Quellen. Alle drei veröffentlichen ihre Methoden mit. Damit lassen sich die Zahlen einordnen.
Angaben aus Presseberichten ohne Quellenangabe sind dagegen mit Vorsicht zu lesen. Häufig werden Median und Durchschnitt verwechselt. Ein Blick auf die Originalquelle klärt das.
Was Guthaben an Zinsen bringt
Tagesgeld ist täglich verfügbar und wird variabel verzinst, Festgeld liegt für eine feste Laufzeit fest. Nach der Zinswende ab 2022 sind beide wieder mit spürbaren Sätzen erhältlich. Vergleichsportale zeigen die aktuellen Konditionen.
Zu beachten ist, dass Lockangebote oft nur für Neukunden und wenige Monate gelten. Danach fällt der Satz deutlich. Ein Blick auf die Bedingungen lohnt sich.
Häufige Fragen
Wie viel sollte man auf dem Girokonto haben?
Nur so viel, wie für die laufenden Ausgaben gebraucht wird. Die Rücklage gehört auf ein Tagesgeldkonto.
Ab welchem Betrag meldet die Bank etwas?
Bei Bareinzahlungen gelten gesetzliche Schwellen für den Herkunftsnachweis. Überweisungen laufen ohne besondere Meldung.
Ist Geld auf dem Konto sicher?
Bis 100.000 Euro je Bank gesetzlich geschützt. Gegen Inflation schützt das nicht.
Quellen
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
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Geschrieben von Bella, Redaktion vermögensatlas.de — sie schreibt hier über Vermögen, Einkommen und Zahlen dahinter.
